Editorial

GM Sifu K. Brand 2003

Liebe Interessenten der Selbstverteidigung und der Kampfkunst.

 

Ich freue mich, ihnen die Internationale Akademie für WingChun vorstellen zu dürfen. Vor etwa 25 Jahren kam die Selbstverteidigungs-Kunst "WingChun" zum ersten mal von China nach Europa. Bald darauf eröffneten die ersten WingChun Schulen in Deutschland. Diese "neue Selbstverteidigungs-Kunst" hatte jedoch ihre Schwierigkeiten, gegen die seit Jahren etablierten Kampf-Sportarten zu bestehen. Vielleicht gerade wegen der Gegensätzlichkeit zu bekannten Konzepten. Eine wissenschaftliche Verteidigungsmethode, welche weder auf Kraft noch auf Ausdauer baut und nichts dem Zufall überlässt war bis zu dieser Zeit gänzlich unbekannt.

 

Bis heute besteht die Meinung, man müsse groß, stark und dazu ein Topsportler sein, um eine Kampfkunst zu betreiben bzw. zu beherrschen. Wir werden durch überzogene Darstellungen derart beeinflusst, dass wir dem, was man uns in Medien suggeriert, Glauben schenken. Es geht sogar soweit, dass sich Männer und Frauen für krank halten, wenn sie nicht dieser "Norm" entsprechen. Das Schlimme dabei ist, dass sich diese Einstellung immer mehr manifestiert. Die Unterscheidung zwischen Werbeaktionen, Movies und der Realität fällt der Gesellschaft immer schwerer. Wir sollten endlich aufwachen und akzeptieren, dass wir so sind wie wir sind: groß oder klein, kräftig oder grazil, männlich oder weiblich etc. An diesen Tatsachen können und müssen wir ohnehin nichts ändern, denn das ist unsere Identität. Jeder von uns ist einzigartig. Und nicht nur der gut aussehende, große und durchtrainierte Mann ist dann, welch ein Zufall, noch der Super-Kampfkünstler. Denn genau dies habe ich in meiner 33-jährigen Kampfkunst-Laufbahn nie erlebt. Die Realität des Lebens lehrt uns Anderes. Wir sollten aufhören gegen die Zukunft anzutreten. Nicht mit irgendwelchen immer neueren Anti Aging Ideen, durch die jeder Tag um genau einen Tag paradoxer wird. Ein nicht gerade geringer Personenkreis hat sich genau auf die andere Seite geschlagen und sich für die Resignation entschieden, mit der Ausrede: "ich bin zu alt". Zudem ich diese Ausrede zum größten Teil von jungen Menschen hörte, die nicht einmal das 50. Lebensjahr erreicht hatten.

 

Es dauerte Jahre um WingChun als "Kampfkunst" zu etablieren. Eine Begründung lag wohl auch darin, dass es beim WingChun keine Turniere gab. Hier handelt es sich um eine für den Ernstfall entwickelte Kriegskunst, die durch das Aufstellen von Regeln vom Zweck entfremdet würde. Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass WingChun nicht nur eine effektive Selbstverteidigungskunst ist, sondern durch die Veränderung der eigenen Fähigkeiten und der Verbesserung der Koordination, das Selbstbewusstsein so wie den gesamten menschlichen Körper auf eine gesunde und natürliche Weise stärkt. Bereits vor hunderten von Jahren wurden die Formen des WingChun zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.

 

In einer tatsächlichen Verteidigungssituation kann es weder festgelegte Angriffe, noch sportliche Techniken geben. In einer solchen Situation geht es einzig und alleine um das Überleben und dies, um jegliches Risiko zu vermeiden, so schnell wie nur möglich. WingChun ist so konzipiert, dass eine Verteidigungssituation nur Sekunden dauert. Daher steht nicht der "Kampf", sondern ein technisches Reaktionstraining und der schnelle Sieg an erster Stelle. Kämpfen hat im eigentlichen Sinne nichts damit zu tun, ob man siegt oder nicht. Kämpfen kann jeder! Schon in meiner Jugend, wunderte ich mich darüber, dass es beim Kampfsport so viele Kämpfer, aber bei den Turnieren nur einen Gewinner gab. Auch zu denen, die gerade einen sportlichen Kampf verloren hatten, sagte man: "Du hast aber gut gekämpft". Und gekämpft hatten letztendlich alle.

 

Warum muss man (unser Ego) sich denn eigentlich mit anderen messen? Ist ein Messen denn überhaupt möglich? Nach meiner Meinung ist das Utopie. Wenn sich zwei Kämpfer wirklich messen wollten, dürfte es weder Zuschauer noch Schiedsrichter geben, selbstverständlich auch kein Zeitlimit und ein Reglement schon gar nicht. Zudem dürfte man weder nach Gewichtsklassen noch nach Geschlecht trennen und die körperliche Verfassung dürfte genau so wenig eine Rolle spielen wie das Alter und die (körperlichen) Mittel, die jeder einsetzt. Solch ein Kampf würde dann schon anders aussehen. Welche Menschen würden unter diesen Umständen überhaupt noch freiwillig (um ihr Leben) kämpfen wollen?

 

Stellen sie sich vor, wie es wohl wäre, wenn sich Salvador Dali und Pablo Picasso zu einem Wettkampf träfen. Wie sollte man denn bewerten wer "Gewinner" und wer "Verlierer" ist. Wie wollte man z.B. Surrealismus und Dadaismus miteinander vergleichen? Oder zählt man die Farben? Vielleicht wer zuerst fertig ist? Spüren Sie die Sinnlosigkeit eines Vergleiches?

 

Beim WingChun-Unterricht kämpfen wir nicht gegeneinander, sondern üben und zwar für den Verteidigungsfall bei dem wir nicht kämpfen, sondern bedingungslos gewinnen wollen. Das Trainingsprogramm ist so ausgearbeitet, dass der Schüler eine faszinierende Bewegungskunst erlernt, die effektiv ist, spaß macht und zugleich gesund ist. Das Studium des WingChun ist nicht mit einem extensiven Kursus zu vergleichen, den man nach kurzer Zeit hinter sich bringt. Mit WingChun bleibt man ständig Schüler, immer ein Suchender der ständig vorwärts geht um neue Bereiche zu erschließen. Lernen ist wie das Schwimmen gegen den Strom. So lange wir leben sollten wir das Lernen nicht beenden. Vielleicht ist genau das der Reiz unserer außergewöhnlichen Selbstverteidigungs-Kunst.

 

Der Weg ist (bereits) das Ziel. Und die Erkenntnisfülle, die uns dieser Weg bietet, ist das Einzige, das in diesem Leben von wirklichem Wert ist. Durch Fehler können wir wirklich lernen und uns entwickeln; neue Einsichten erlangen die unseren Charakter formen und unseren Intellekt erweitern. Die Vergangenheit hat uns zu dem gemacht was wir heute sind. Die Zukunft ist eine Fiktion, welche uns lediglich ein abstraktes Bild des vor uns liegenden Weges liefert. Wir alle bauen uns unsere Zukunft durch unsere Gedanken und den daraus resultierenden Taten in genau diesem Augenblick. Jeder Einzelne ist für seine Zukunft selbst verantwortlich. Willkommen in der Einmaligkeit eines jeden Augenblickes; im Bewusstsein der Ewigkeit mit jedem neuen Atemzug. Willkommen im Leben.

 

Nach dem Studium des WingChun habe ich die "International Academy of WingChun" gegründet. Zur Zeit sind wir in den USA, in Großbritannien, in Malaysia, in Frankreich und in Deutschland vertreten. Mein Wunsch ist es professionelle Ausbilder hervorzubringen, Enthusiasten die sich ständig weiterbilden und mit Liebe unterrichten. Die Qualität des Unterrichts hat oberste Priorität.

 

In meinen Akademien entscheiden Sie selbst wie viel sie lernen möchten. Das Ziel der IAW ist es, die Prinzipien dieser Kunst weiter zu geben, um ein einheitliches und in sich geschlossenes System zu wahren. Ich möchte ihnen ein vollkommenes System vorstellen, welches auf einen logischen Aufbau blickt und keine Frage offen lässt.

 

Sie haben die Möglichkeit, das komplette, einzigartige WingChun zu erlernen. Schon nach einem Jahr erwerben Sie ein gestärktes Selbstbewusstsein und neue Fähigkeiten. Wer fleißig trainiert, kann in 3 bis 5 Jahren die Stufe des Schülers abschließen und den "1. Technician Grade" und somit die erste Lehrerstufe anstreben. Mit dem "1. Technician Grade" ist man befähigt eine eigene Akademie zu Leiten. Die International Academy of WingChun vergibt hierzu weltweit Lizenzen. Vielleicht sind sie der zukünftige WingChun-Lehrer?

 

Links finden Sie einen Link zu unserem Graduierungssystem. Für WingChun Schüler gibt es 11 Graduierungsstufen. Nach dem "11. Student Level" trainiert man auf den "Pre-Primary Level". Nach Abschluss dieser Stufe folgen 5 Graduierungsebenen für Lehrer, der 1.-5. "Technikergrad". Die letzte Graduierung meines WingChun Systems ist der "6. Meistergrad". Mit dieser Graduierung erlernt man die komplette Kampfkunst WingChun mit all ihren Bewegungen, Formen und Applikationen.

 

Sifu Klaus Brand  

Leiter der International Academy of WingChun