Sapere aude!

GM Sifu K. Brand 2011

Liebe WingChun Schüler. Ich biete nun seit genau 13 Jahren ein einzigartiges und völlig neu konzipiertes WingChun System an. Im Jahr 2003 gründete ich die IAW um diesen Stil im internationalen Verband zusammen mit meinen ersten professionellen WingChun Lehrern anzubieten.

 

Bis heute ist kein einziger Stil mit dem Unseren nur annähernd vergleichbar. Wir sind mit der International Academy of WingChun die Einzigen, die ein extrem hartes, stärkendes und zugleich flexibles WingChun praktizieren. Unser Anliegen ist es unseren WingChun Schülern die Fähigkeit zur Selbstverteidigung zu lehren. Darum beinhaltet bereits das Programm der Grundschule (1.- 4. Schülergrad) die wichtigsten Techniken des gesamten Systems. Selbstverständlich dürfen alte, traditionelle Werte nicht verloren gehen. So liegt die Verantwortung bei jedem Großmeister einen Stil zu erschaffen, der wie urtümlich vorgesehen für den Ernstfall geeignet ist. Phantasien haben in einer Kampfkunst wie dem WingChun nichts zu suchen. Es gilt zu verstehen wozu ein Stil einst geschaffen wurde, um ihn mit einer gesunden Progression wachsen zu lassen.

 

Für einen professionellen Lehrer muss es gegenwärtig eine Qual sein, die seit über 20 Jahren aus den Fugen geratene Welt des "Wing Chun" zu ertragen. Die meisten Stilrichtungen haben das Stadium der Traumwelt nie verlassen und bombardieren uns seit den 80ern unverändert mit poetischen Werbesprüchen wie etwa "Selbstverteidigung ohne Kraft", "Lerne zu Kämpfen ohne zu Kämpfen" oder gar "Nutze die Kraft des Gegners" und weiteren sinnesfreien Aussagen. Ich erinnere mich noch zu gut als man damit warb man könne sich "passiv" verteidigen (das müsst Ihr Euch mal bildlich vorstellen). Diese Slogans aus den 80ern fruchten leider noch immer in einer esoterischen Welt des 21sten Jahrhunderts, in der man mit schönen Sprüchen alles etwas netter erscheinen lässt als es tatsächlich ist. Da wundert es niemanden, dass sich heute Stilrichtungen der Selbstverteidigung etabliert haben, bei denen völlig vergessen wurde wie ein banaler Angriff funktioniert und man sich vielmehr damit beschäftigt wie man sich gegenseitig die Arme berührt und verbiegt. Man nennt diese geschmeidigen Verformungen in diesen Clubs treffender Weise auch "Gefühlstraining" und demonstriert dies gelegentlich, um die völlige Verblödung im Bereich der Selbstverteidigung zu unterstreichen, mit verbundenen Augen. Jedes Kind versteht, dass man sich nicht verteidigen kann wenn man nichts sieht. Sich zu verteidigen ist ja wohl schon schwierig genug wenn beide Augen weit geöffnet sind. Welcher Idiot würde sich bei einer Auseinandersetzung auf seinen Tastsinn verlassen? Dieses törichte Gefühlstraining nennen manche Stilrichtungen fälschlicher Weise Chi Sao, wobei es im ursprünglichen Chi Sao nicht um das Fühlen sondern in erster Linie um das Verarbeiten von Kollisionen (Schläge / reale Angriffe) geht.

 

Das Reduzieren der Reaktionsgeschwindigkeit mit dem unverzichtbaren Training des Sehens bzw. des schnellen Erkennens stehen beim Chi Sao im Vordergrund. Das Chi Sao des WingChun, eine Übung zum Abhärten der Knochen und zum Stärken der Muskeln und Bänder und somit des gesamten Körpers wurde in vielen Stilen tatsächlich zu einem Gefühlstraining degradiert bei dem sich weitestgehend erwachsene Menschen treffen um sich die Arme zu berühren und zu verformen. Und um mehr als das geht es tatsächlich nicht, was Ihr jeder Zeit im Internet nachprüfen könnt. Na ja, hier und da eine bisschen schubsen und tätscheln soll dann wohl einen gefährlichen Gegenangriff darstellen. Gebt im Internet mal "Chi Sao" ein und schaut Euch das Fazit dieser Irrwege mit Euren eigenen Augen an. Lasst mal einen Freund oder Eure Eltern interpretieren was sie da sehen. Das könnte sehr interessant werden, da ein Beteiligter unter Umständen nicht mehr in der Lage ist das Ganze objektiv zu betrachten und nur sieht was er sehen möchte. Der Betrachter braucht überhaupt keine Ahnung von Kampfkunst zu haben. Das haben die Meisten derer die in diesen Filmchen zu beobachten sind ebenfalls nicht. Dass vieles davon nichts mit Selbstverteidigung zu tun hat sieht man auch als Amateur ohne jegliche Basisinformation. Im Internet findet Ihr jede Menge lustiger Filmchen dieser Gefühlsexperten. Meine Favoriten der Szene sind ein alter Mann im schwarzen Bademantel bei einer sehr eigenartigen Kuschel-Verteidigung oder vier Schüler die sich im Kreis stehend sinnlos befummeln. Man glaubt kaum was man sieht. Schaut selbst. Das Schlimme ist nur, dass der Ahnungslose, der sich auf der Suche nach einer Selbstverteidigungsausbildung befindet demjenigen, der sich Experte nennt, Glauben schenkt. Und diesen Irrtum kann man niemandem verdenken.

 

Ich hätte Euch gerne ein paar der besten Beispiele dieser Massensuggestion herausgesucht. Aber sucht lieber selbst nach Euren persönlichen Favoriten. Ihr findet unbeschreibliches "Wing Chun" bei dem man sich zuerst berührt und dann schnell betätschelt, aber von Selbstverteidigung so weit entfernt ist wie der Habicht vom Mond. Ich bin mir nicht sicher was die Anhänger dieser abartigen Künste einst suchten. War es wirklich Selbstverteidigung?

 

Versucht mal zu erkennen welche der Bewegungen den Angriff simulieren soll. In den meisten Fällen seht Ihr zwei Personen. Eine tut so als wäre sie der Angreifer, greift aber nicht wirklich an. Die Andere attackiert den "nichtangreifenden" Angreifer mit einer Art Speed-Petting . Als wenn es im Zweikampf überhaupt keine Prinzipien gäbe. Das ist so lustig, dass Ihr Euch das unbedingt mal selbst anschauen müsst. Die Hauptsachen (Tatsachen) der Selbstverteidigung wie Kollisionen, Stabilität und kraftvolle Bewegungen scheinen überhaupt keinen mehr zu interessieren. Ganz im Gegenteil freuen sich alle auch wenn letztendlich niemand weiß wofür. Das müsst Ihr gesehen haben. Kein einziger starker Angriff, abenteuerliche Verteidigungsspiele, zappelige Bewegungen und trotz völligem Nonsens zufriedene und applaudierende Schüler im Hintergrund.

 

Für Euch unvorstellbar aber diese Massensuggestionen führten dazu, dass deren Anhänger glaubten man könne einen Angriff erfühlen. Diese Beleidigung an den menschlichen Verstand zieht sich derzeit durch viele Systeme. Denn in den 90ern, als diese träumerische Berührungskunst ihren Höhepunkt erreichte, wurde sie vielfach kopiert aber nur in den seltensten Fällen hinterfragt.

 

Natürlich ist es eine große Herausforderung eine reale Selbstverteidigungskunst zu üben, ohne seinen Partner zu verletzen und mit ernsthaftem Training gemeinsam Spaß am Unterricht zu erleben. Brutalität hingegen hat im WingChun Training nichts zu suchen. Es geht immerhin um die präzise Verknüpfung von Technik, Kraft und Schnelligkeit. Das Verarbeiten einer Kollision, nämlich des ersten Kontaktes, bleibt allerdings der wichtigste Aspekt der Selbstverteidigung. Der Gegenangriff kann nun mal erst beginnen wenn der Verteidiger in der Lage ist das kraftvolle Zusammentreffen von Angriff und Verteidigung zu verarbeiten. Zum Aufbau des Selbstbewusstseins ist die Fähigkeit einem starken Angriff standzuhalten unabdinglich. Genau darum gehört das Üben einer stabilen Abwehr zur wichtigsten Erfahrung in den ersten Trainingstagen. Das Eigentliche darf man niemals aus den Augen verlieren. Apropos Augen: ohne die geht in der Selbstverteidigung nun mal gar nichts. Letztendlich ist es von Nöten ernsthaft zu bleiben um auf höchstem Niveau zu trainieren.

 

Als Begleiter auf Eurem Weg durch die Kunst der Selbstverteidigung stehen Euch die 8 WingChun Prinzipien zur Seite. Diese helfen Euch schnell zu erkennen was richtig und falsch ist.

 

Beim IAW Event 2011 am 10. Juli 2011 habe ich vor Euch die bedeutendsten Irrwege der Szene aufzuzeigen.

 

 

Euer

Sifu Klaus Brand