Frauen und Selbstverteidigung

21 Jun 2016

 

Anläslich Ihrer Graduierung zum Praktiker Grad, hier ein interessanter Artikel zum Thema Frauen-Selbstverteidigung von Janis Böhlen.

 

Reicht meine Kraft aus?

 

Bin ich körperlich in der Lage, mich im Notfall ohne Hilfsmittel verteidigen zu können?

Nach dem, was ich mitbekomme, haben Frauen mit diesen Zweifeln öfter zu kämpfen als Männer.

So auch ich.

Im Gespräch mit meinen beiden Lehrern sind jedoch ein paar Sätze gefallen, die mir persönlich den Mut gegeben hätten, Monate früher mit WingChun zu beginnen.

Denn es ist so: Frauen werden meistens nur belächelt, wenn sie sagen, dass sie Selbstverteidigung praktizieren. Da Frauen nun mal das schwächere Geschlecht sind, werden sie nicht als Bedrohung wahrgenommen.

Natürlich sind Frauen mittlerweile den Männern gleichgestellt. Doch kann man nicht leugnen, dass es doch gewisse Unterschiede gibt, die eben nicht durch Gesetze zu begleichen sind. Das habe ich sehr deutlich zu spüren bekommen, bevor ich überhaupt das erste Mal einen Fuß in die IAW gesetzt habe. Ich war daran interessiert, mich verteidigen zu können, da ich die Chance verringern wollte, einem Angreifer hilflos gegenüber zu stehen. Doch schon bei diesem Gedanken, kamen die ersten Zweifel.„Dort sind doch fast nur Männer, verglichen mit denen bin ich schwach. Es ist doch unmöglich, dass mich dort jemand ernst nimmt. Bringt es mir überhaupt etwas?“

Warum hat also eine Frau, die dem Mann offiziell doch gleichgestellt ist, solche Gedanken, gerade wenn es um etwas so wichtiges wie Selbstverteidigung geht?

Wieso sollte es nur Männern vorbehalten sein, in der Kampfkunst es zu etwas zu bringen? Das ist es eben nicht. Man fühlt sich einfach zu schwach, als dass man glauben könnte, sich jemals mit seinen eigenen Händen, verteidigen zu können.

Die anatomischen Unterschiede setzen der Emanzipation also ihre Grenzen. Eines ist klar: Eine Frau muss um einiges mehr trainieren, um sich genauso gut verteidigen zu können, wie ein Mann. Das liegt nicht an mangelndem, technischem Verständnis, sondern allein an der Tatsache, dass der Mann an sich, von Natur aus einfach stärker ist. Daran lässt sich auch durch alle Emanzipation nichts ändern. Das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn man Selbstverteidigung trainieren will.  

Dadurch ist man jedoch nicht gezwungen, sich Hilfsmittel (wie z.B. Pfefferspray) zu beschaffen. Als Frau kann man sich durch intensives Training, auch ohne diese Dinge gut verteidigen, man muss es nur wollen.

Etwas Anderem zu vertrauen, anstatt den eigenen Fäusten, das kann nicht richtig sein. Im Fall der Fälle kommt es auf eine schnelle Reaktion an, durch einen Griff in die Hand- oder Jackentasche würde zu viel Zeit verloren gehen und alles würde sich schnell, zu Gunsten des Angreifers, entscheiden.

Es wird zu dem Stärkeren aufgeschaut, das war schon immer so. Doch das stimmt nicht mit dem Grundgedanken der Gleichstellung überein. In dieser Hinsicht, wird hier die Emanzipation, auch von den Frauen, mit Füßen getreten.

Man muss sich mit dem Gedanken vertraut machen, einem anderen Menschen ins Gesicht zu schlagen, bevor man selbst zum Opfer einer Gewalttat wird. Dieser Gedanke ist vielen Frauen zuwider, doch kann man in gewalttätigen Situationen, der Gewalt nicht ausweichen. Ich selbst konnte mich nicht schnell damit anfreunden, immer wieder machte ich mir Gedanken, ob denn ein Schlag von mir wirklich ausreicht, um den Gegner außer Gefecht zu setzen.

Doch ist mir relativ schnell klargeworden, dass ich keine andere Möglichkeit habe, als so lange und intensiv zu trainieren, bis ich mir sicher sein kann, dass ich meinem Angreifer große Probleme bereiten kann.

Denn was haben wir von der ganzen Emanzipation, wenn wir uns nicht einmal anständig verteidigen können?

Ich trainiere seit 2 Jahren und kann jetzt, mit dem höchsten Schülergrad, mit Sicherheit sagen: Ja, auch als Frau kann man die Fähigkeit erlangen, sich gut zu verteidigen und zwar nicht nur gegen die eigene Gewichtsklasse!

Selbstverteidigung ist für alle da, egal welches Alter und Geschlecht. Anfangs habe ich es für einen stumpfen Werbespruch gehalten, doch ich habe erkannt, dass es die pure Wahrheit darstellt.

Die größte Unterstützung erhielt ich tatsächlich von den Männern, von denen ich dachte, sie würden mich nicht besonders ernst nehmen.

Ein großes Dankeschön geht an meine Lehrer Sifu Ralph Dahl und Dai Sifu Klaus Brand, die mich zu dieser Stärke gebracht haben und noch weiter bringen werden.

 

Janis Böhlen, Practician Grade of WingChun

 

 

 

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