Statement

GM Sifu K. Brand 2005

Aufgrund der Tatsache, dass es Stile gibt die sich von meiner Schreibweise WingChun nicht oder kaum unterscheiden, fühle ich mich verpflichtet hierzu ein paar Worte zu schreiben.

 

Eine Kampfkunst mit dem Namen "Wing Chun" wurde in China vor etwa 360 Jahren, nach (wegen) dem Fall der Ming Dynastie, entwickelt. Von da an reformierte und prägte jeder Meister die Kunst auf Grund seiner Fähigkeiten, seiner Erfahrung, seiner "philosophischen" Erziehung sowie seiner charakterlichen Eigenschaften. Bis vor etwa 30 Jahren konnte man kaum von einer Ausbreitung dieser Kunst sprechen. Trotz dieser Tatsache kann man davon ausgehen, dass es bis dahin wohl einige vorbildliche Meister gab, die WingChun in den verschiedensten Teilen der Welt nach ihrem Verständnis unterrichteten. Beginnend in den Siebziger Jahren wurden die ersten Europäer und Amerikaner auf diese wirkungsvolle Kunst der Selbstverteidigung aufmerksam. Von da an konnte man eine enorme Ausbreitung weltweit beobachten. Die Zahl der Meister und auch die der Interpretationen stieg. Die beiden chinesischen Schriftzeichen wurden als Wing und Chun (deutsch gesprochen Wingtschan ) ins Englische übersetzt. Mit der Ausbreitung in den Siebzigern kamen, je nach Dialekt und Gehör, einige Schreibweisen dazu. Im eigentlichen Sinne ist die Schreibweise nicht von Bedeutung. Der tatsächliche Unterschied liegt in der Kunst selbst.

 

Wie ich hörte sind einige der bestehenden Stile inzwischen dermaßen reduziert, dass man sie bereits in 3-5 Jahren komplett erlernen kann und sich sogar "Meister" nennen darf. Das zeigt wie mager das Angebot hier sein muss. Andere nennen sich "Original", weil die "Ausbilder" 1-2 mal jährlich einen Lehrgang mit ihrem "originalen" Großmeister (der es noch kann) besuchen; jenem sind jedoch diese "Ausbilder" selbst nach etlichen Jahren gänzlich unbekannt. Ist das nicht eher originell? Graduierungen werden durch einen Vertreter vergeben, den man dann ebenfalls 1-2 mal jährlich auf einem Lehrgang aus der Ferne bewundern darf. Dann gibt es Stile die nicht die Fähigkeit, sondern die Zeit der Angehörigkeit als Voraussetzung zur Prüfung werten. Das dies dann am Ende eine einst perfekte Kunst zu einem Fantasiestil degenerieren lässt, ist einleuchtend. Mir wurde angetragen, dass es wohl noch eine weitere, allerdings noch weniger ernstzunehmende, Randgruppe geben soll. Diese trifft sich in so genannten Chat-Rooms, um ihre virtuellen WingChun Fantasien auszutauschen. Ich dachte nie, dass es mal zu einem solchen Dilemma kommen würde.

 

Die Unterschiede sind demnach so groß, dass oft nicht einmal die Spur einer Ähnlichkeit festzustellen ist. Was uns letztendlich alle verbindet ist leider nur der Wortstamm. Ich möchte sie daher bitten, sich ihren Stil, nach ihren ganz persönlichen Ansprüchen auszuwählen. Empfehlungen kann ich hier keine aussprechen, bin jedoch sicher, dass man mit einer Portion Beharrlichkeit, einige gute WingChun-Lehrer finden kann.

 

Graduierungen anderer Stilrichtungen kann ich daher nicht unbedingt berücksichtigen. Hierzu müssten Ähnlichkeiten anzutreffen sein, was leider all zu selten der Fall ist.

 

Sifu Klaus Brand  

Leiter der International Academy of WingChun